Plötzlich und unerwartet verwandelte sich der trübe, herbstliche Tag in einen sonnigen, frühlingsmilden Abend. So schön. In diesem Jahr gefällt mir unser Garten so gut, wie nie zuvor. Und nach dem vielen Regen sieht er noch viel besser aus.

Als wir vor 17 Jahren unser inzwischen über 130 Jahre altes Häuschen mit dem recht großen Garten kauften, sah er aus wie ein langweiliger Dorfbolzplatz. Ein großer Rasen mit kleinen Koniferenhecken  drumherum. Langweilig, spießig, unlebendig. Als wir einige Jahre später begannen, den Garten zu verändern, achteten wir auf eine ordentliche Gestaltung. Exakte Buchsbaumhecken, gerade Beete. Heute finde ich es ziemlich anmaßend, so einem alten Garten vorzugeben, was zu wachsen hat und was nicht. Bei einem im Neubaugebiet angelegten Garten ist das natürlich etwas anderes. Da fängt man auf einem unbewachsenen Stück Erde an. Bei unserem Garten aber wuchs von Beginn an zum Beispiel Giersch. Und jeder, der diese Pflanze sah, sagte uns, dass wir ihn entfernen müssten. Also buddelten wir jahrelang in den Beeten rum, um auch ja jede Wurzel zu erwischen. Wer Giersch im Garten hat, weiß, dass es unmöglich ist, Giersch ohne Giftattacken für immer und ewig zu eleminieren. Ich habe sogar ein Jahr lang an Vollmondtagen jedes Blatt abgezupft, weil der Giersch davon ja angeblich eingehen soll. Aber auch das ist natürlich Quatsch.

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mich mit dem Giersch und auch den anderen Wildkräutern zu arrangieren. Natürlich versuche ich sie noch zu bändigen, damit sie nicht alle Stauden und Pflanzen überwuchern.  Aber es gibt Ecken, in denen ich den Giersch bewusst stehen lasse. Das hat einige Vorteile: Ich habe viiiiiiiel mehr Zeit, meinen Garten zu genießen. Wir haben wesentlich weniger Gartenabfälle und Nacktschnecken (komisch, aber wahr). Junger Giersch eigenet sich gar wunderbar für die Pestozubereitung und die Blüten sehen zauberhaft in Blumensträußen aus. Und überhaupt ist die Ecke mit dem Mirabellenbaum eine verwunschene Waldecke geworden. Mit Maiglöckchen, Waldmeister, Walderdbeeren und Giersch, herrlich anzusehen.

Im vorletzten Jahr konnte ich sehen, wie aus einem ehemals wunderschön verwunschenen Garten ein geformter wurde. Das fand ich so entsetzlich.  Das Haus ist nur halb so alt wie unseres, aber der Garten war schon so schön eingewachsen, dass ich fast ein wenig neidisch war. Richtig romantisch sah er vor der Veränderung aus. Nun aber finde ich meinen Garten viel schöner. Ich mag eben naturnahe Gärten einfach viel lieber als gestylte und gebändigte. Im Laufe der letzten Jahre haben wir über 90 Koniferen und andere fremdländische Nadelgehölzer ausgegraben und als Ersatz für sie, zum größten Teil einheimische, Beeren- und Blütensträucher und eine Säulenobsthecke  gepflanzt. Auf dem Dreiecksgrundstück wächst jetzt eine Wildrosenhecke. Dazu der Bauerngarten und die alten Apfelbäume. Ich finde, unser Garten passt jetzt einfach perfekt zu dem alten kleinen Backsteinhäuschen. Das macht mich sehr glücklich und ich verbringe deshalb ganz viel Zeit im Garten. Und weil ich der Natur freien Lauf lasse, sieht der Garten auch ständig anders aus. Auch das gefällt mir sehr und das ist wohl auch der Grund, warum ich jeden Tag mit dem Fotoapparat durch den Garten spaziere und fotografiere und fotografiere und fotografiere.

Als das Wetter auf einmal so schön wurde, habe ich noch anderthalb Stunden Wildkräuter gezupft und – natürlich! – auch Fotos gemacht. Voilà, hier kommt der Garten Landgeflüster im Mai.

Das Allium, als Kontraast zu den hohen Gräsern:

Allium

Allium

Meine ersten eigenen Holunderblüten!

Holunder

Maiglöckchen unter dem Mirabellenbaum:

Maiglöckchen

Auch der Rharbarbar wächst beim Mirabellenbaum:

Rharbarbar

Der Miniteich:

Teich

Unser Bauerngarten, im Hintergrund die Wildrosenhecke:

Bauerngarten

Im ganzen Garten haben sich Hornveilchen ausgebreitet:

Hornveilchen

Der Sitzplatz auf dem Dreiecksgrundstück:

Sitzplatz

und der Sitzplatz unter dem großen Apfelbaum:

Apfelbaum

Die alte Holzleiter, mit der man früher auf den Stalldachboden kletterte:

Apfelbaum

Ein Stück Zaun, das uns mein Schwiegervater einst schenkte:

Apfelbaum

Fortsetzung folgt.

Advertisements